Lymphatismus

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Die Konstitutionstherapie ist eine naturheilkundliche Routine, die ursachenbezogen den gesamten Menschen einbezieht. Ein jahrtausendealtes Konzept, das erst jüngst von modernen, weil technischen Einsichten abgelöst wurde. Besonders der anhaltende Therapieerfolg spricht aber für das archaisch wirkende Modell. Besonders Neurodermitiker, Allergiker und Asthmatiker wissen um die Vorzüge der Naturheilkunde und der Heilansätze nach der Humoral-Pathologie.

Lymphatismus beschreibt keine einzelne Krankheit, sondern bezieht sich auf Besonderheiten in der Konstitution1. So wie sich beispielsweise das Ayurveda2 in Indien oder die TCM3 in China über Jahrtausende entwickelt haben, galt bei uns lange Zeit die Humoral-Pathologie als in sich geschlossenes und praktikables System. Auch wenn die alten Darstellungen der Körpersäfte nach heutiger Erkenntnis überholt erscheinen, beschreiben sie für sich schlüssig, was beobachtet und therapeutisch sinnvoll nachempfunden werden konnte. Die vielfältigen Entzündungen und Darm-/Schleimhautprobleme eines Lymphatikers lassen sich einfach nachvollziehen und finden so auch nachhaltig wirkende praktische Ansätze.

Die Säftelehre

Vier wesentliche Humores, lat. für Säfte, werden unterschieden. Die Nahrung und die Luft werden durch das Verdauungsfeuer quasi gekocht (coctio), um assismiliert in der Leber als Blut (sanguis) übernommen zu werden. In der Leber fällt dabei auch die Galle (chole) und in der Milz die Schwarzgalle (melanchole) an. Fehlt das Lebensfeuer, v.a. im Alter, bildet sich zunehmend Schleim (phlegma), dessen Ort das Gehirn ist.
Die Wirkungen der Säfte sind vielfältig. Was man im Volksmund immer noch kennt, sind die Temperamente, die sich bei einem Zuviel einer der Säfte ergeben. Der Sanguiniker ist ein heiterer, luftiger Geselle mit dem Hang zum kindischen Übermut. Den Choleriker, dem immer wieder „etwas über die Leber läuft“ und dies in explosiven Ausbrüchen kundtut, kennt wahrscheinlich auch jeder. Ebenso den schweren Schwarzdenker, den emotionalen Melancholiker - kein seltener Zug bei Menschen, denen die Milz entnommen wurde oder wenn sie durch Vergrößerung Überlastung anzeigt. Der Phlegmatiker mit seiner Schwerfälligkeit dürfte auch ein Begriff sein, zumal dieser Zug gerade beim Lymphatiker eine Rolle spielt.
Diese Einteilung lässt eine Ursachenbehandlung zu, indem der entsprechende Regelkreis, bzw. das Organsystem gezielt gestärkt und durch Ausleitungsverfahren entlastet wird. Insofern unterscheidet sich diese Herangehensweise nicht von anderen medizinischen Systemen. Mit dem Unterschied, dass in der Moderne die Symptombehandlung im Vordergrund steht und immer mikroskopischer wird.

Entstehung des Lymphatismus

Die Anlage des Lymphatikers spart an Lebensenergie. Dies merkt man in der allgemeinen Abgeschlagenheit, was sich auch in Abwehrprozessen niederschlägt. Entweder dauernd erschöpft und anfällig oder (hyper)aktiv ohne Durchhaltevermögen.
Die Säftelehre erklärt dies so. Durch mangelhafte Coctio entsteht zuviel Phlegma. Das Zuviel an kalter Feuchtigkeit fällt dem Lymphsystem zur Last. Es muss mehr transportieren, was zudem noch schwerfälliger, weil zäher ist. Die Qualität des Schleims nötigt den Körper dazu, dies irgendwie zum Fließen zu bringen, los zu werden. Er schafft lokale Hitze, Entzündungen auf der Haut und den Schleimhäuten, was man dann Katarrh4 nennt. Und mit den reichhaltigen Symptomen kann man dann Schubladen mit Diagnosen füllen. Atopisches Ekzem, Neurodermitis, allergisches Irgendwas, Unverträglichkeiten, Colitis, u.v.m. Vergrößerte Lymphknoten sind ebenso häufig zu ertasten, wie geschwollene, entzündete Gaumenmandeln zu erblicken. Der „Lymphknoten des Blutes“, die Milz wurde bereits erwähnt. Hier wird auch klar, dass die Ganzheit und Verstrickung der Systeme Beachtung finden sollte. Der Darm steht in besonderen Kontakt mit dem Lymphsystem und damit auch mit dem Immunsystem. Schlechte moderne Ernährungsgewohnheiten, Antibiotikagaben, aufgenommene Gifte und Impfungen fallen diesem Regelkreis zur Last. Die Vielzahl an Einflussmöglichkeiten, besonders schon im Säuglingsalter, sind prägend für die Entwicklung dieser Konstitution. Gedeiht eine fördernde Darmflora dank ausreichend langem Stillen heran, ist auch die Darmschleimhaut in gutem Zustand. Gerät dieses sensible Spiel jedoch aus den Fugen und die sog. Kittleisten der Schleimhaut werden, bzw. bleiben zu durchlässig, geraten zunehmend ungewünschte Partikel ins Lymphsystem.
Überlastung, Trägheit und durch den Stau ausgelöste (wiederholende) Krankheit prägen den Lymphatismus. Die beschriebenen Lymph(knoten)schwellungen verbergen sich auch im Körperstamm und speziell im Bauchraum, wo sie Völlegefühl und Schmerzen auslösen. Es lassen sich stufenlose Schweregrade beobachten. Je nach Belastung, sowie Stärken und Schwächen der Kette, zeigt sich die lymphatische
Konstitution beim Einen nur im akuten Zustand und beim Anderen dauerhaft. Ist der Körper mit dem Phlegma völlig überlastet und die Stoffwechsellage gerät in Notlage, fallen vermehrt Schlacken an. Diese „Schärfen“ sind zusätzliche Last und lassen kaum mehr Erholungsphasen zu. In diesen Fällen spricht man dann von fortgeschrittenem Lymphatismus - der Skrofulose. Im Kindesalter fallen auch Entwicklungsstörungen darunter. Hier sollte klar werden, dass besonders Unterdrückung und Trägheit (zuviel Fernsehen etc.) das Bild des Lymphatikers langfristig verschlimmern.

Therapie

Energiefördernde Lebensweisen und Therapien können langfristig die Konstitutionsweiche beeinflussen. Dazu gehört Bewegung - körperlich, wie geistig - genauso, wie phytotherapeutische Unterstützung der Coctio durch z.B. Bitterstoffdrogen. Auch die bewusste Ernährung spielt dabei eine große Rolle. Industrielles Junkfood sollte durch ansprechende, saisonale Mischkost ersetzt werden.
Die Naturheilkunde kennt eine Reihe an Ausleitungsverfahren, die für Entlastung sorgen können. Hierbei ist zu beachten, dass möglichst schonend mit dem Gewebe, der natürlichen Keimbesiedlung und den Kreisläufen umgegangen wird. Viel hilft nicht immer viel! Und der Prävention, durch bewussten Konsum und Kennen des eigenen Körpers (Verdauung), ist absolut Vorrang zu geben. Einen wertvollen Impuls für Lymphatiker können zudem die Effektiven Mikroorganismen und ggf. wohl gewählte symbiotische Ergänzungsmittel liefern, die positiv auf die Mikroökologie des Darms wirken.
Der Homöopathie ist die ganzheitliche Betrachtung des Menschen Grundvoraussetzung. Klassiker aus der Arzneimittellehre geben genau das Bild des Lymphatikers wider. Bekannte Polychreste aus den Kohlenstoffverbindungen wie Calcium carbonicum, Carbo vegetabilis oder Graphites laden zum Studium ein, um sich ein genaues Bild dieser Konstitution zu machen. Die Therapie bei chronischer Krankheit sollte aber dem erfahrenen Heilpraktiker oder Arzt überlassen werden.

1 lat. constitutio: zusammengesetzt Gemeint sind die Eigenschaften eines Menschen, die er von Geburt an erhalten hat und die sein Wesen in Gesundheit, wie in Krankheit prägen.
2 Sanskrit: Wissen vom Leben Kräuterkunde, Massagen etc. nach Pitta, Kapha, Vata
3 Traditionelle Chinesische Medizin Kräuterkunde, Akupunktur etc. nach Yin-Yang, 5-Elemente
4 griech. katarrhein: herunterfließen

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