Emotional berührt

Welche Gefühlsregungen kennt der Mensch und wie steht es um die allgemeine Akzeptanz derselben? Elementarste Impulse unsererselbst, die man sich ruhig öfters vergegenwärtigen darf, um mit sich und seinen Mitmenschen besser klar zu kommen.

Emotionen sind, wie der Name schon sagt, Bewegungen aus uns heraus. Sie scheinen sich aus unserem Zentrum heraus zu manifestieren, um dann je nach Beweggrund eine Richtung einzuschlagen. Sind wir emotional berührt, verlassen wir unsere Gleichgültigkeit. Was, bzw. warum etwas uns berührt, liegt in viel tieferen Schichten, ist individuell verschieden und formt uns, sowie unsere Wahrnehmung der Welt. Sicherlich wird es individuelle Unterschiede geben. Dies soll eine Skizze der wichtigsten Emotionen darstellen und dazu anregen, selbst genauer nachzuspüren. Betrachten wir also die verschiedenen Qualitäten und fühlen hinein, wohin die Reise verläuft.

Wut

Die für uns wohl schwierigste, aber auch deutlichste Regung ist die Wut. Trifft ein Ereignis unsere sensible Stelle für Zorn, dann geht eine Flutwelle aus unserer Mitte in Richtung Umwelt. Sie will sich bündeln und den vermeindlich Schuldigen empfindlich treffen. „Schwierigste“, weil dies natürlich fatale Folgen hätte, diese ungehindert strömen zu lassen. Also wird unser Verstand, gelehrsam durch unsere Erziehung, Wege finden, diese im Zaum zu halten. Die Welle bricht also meist an eigens kreierten Mauern. Nachteil: Geschieht dies regelmäßig, bzw. zu oft, kann sich diese zerstörerische Energie gegen uns selbst richten. Degenerative und autoimmunologische Erkrankungen werden in diesem Zusammenhang aufgezählt. Auf dieser Ebene können Kanalisierungsübungen helfen, das Paket kontrolliert nach außen zu bringen. Versagt die Kontrollinstanz, kommt es zur Rage.

Traurigkeit

Verlust ist ein typisches und übertragbares Beispiel für diese Emotion. Auch der Gedanke an vergangene Zeiten kann in diesem Zusammenhang als Verlust betrachtet werden. Ein „Loch“ in unserem Seelengerüst entsteht, worein man allzu gerne abrutscht. Erlaubt man der Emotion ihren Weg, so ist die Richtung abwärts. Was einen eben noch erbaulichst im Leben stehen ließ, bricht weg, wie ein morsches Brett unter den Füßen. Es bewegt sich abwärts ins Gedärm und noch weiter in die Beine.
Wenn‘s heftig wird, knicken die Knie ein und es folgt der Zusammenbruch. Tritt dies häufiger und / oder tiefer auf, spricht man von der Depression - man ist ganz unten. Wer tief im Loch sitzt und „um‘s verrecken“ versucht sofort wieder an alte Zeiten der Heiterkeit anzuknüpfen, wird viel Energie darauf verschwenden an den Wänden abzurutschen und dabei den Schatz übersehen, der im Dunklen auf ihn wartet. Man tut gut daran therapeutisch daran zu arbeiten und möglichst auf künstliche Stimmungsaufheller zu verzichten. Größte Vorsicht bei Suizidgefährdeten!

Angst

„Fürchte Dich nicht, denn ich bin bei Dir“, heißt im Umkehrschluß, Angst kommt hauptsächlich aus einem Gefühl des Verlassenseins. Im All-ein-sein darf Gleichgültigkeit sein, ohne bestimmte Umstände zu bewerten. Es ist also eine therapeutisch sinnvolle Frage, was diese Emotion mit einem anstellt, kommt man so doch an den Urgrund der individuellen Wahrnehmung. Angst ist mit der Trauer durchaus verwandt in dieser Hinsicht. Nur, daß sie sich im Bauch festzusetzen scheint. Der Darm verkrampft und vergiftet nahezu den Rest des Körpers. Das Herz pocht, die Sinne laufen auf Hochtouren, sind überreizt und ein unheimliches Gefühl breitet sich über die Haut aus. Als ‚Kampf oder Flucht‘ wird dieses archaische Prinzip gerne beschrieben. Darin verbirgt sich schließlich auch unser Überlebenstrieb.
Im Extrem reagieren wir unterschiedlich. Manche ergeben sich in die Ohnmacht, andere werden panisch. Diese übermannende Emotion hebelt den Verstand aus und man würde alles tun, um nur schnell dieses Gefühl wieder loszuwerden - was aber nicht immer gleichbedeutend ist mit Sicherheit!

Freude

Über was freust Du Dich? Und warum steht diese Emotion so allein gegenüber den unangenehmen auf dem Feld? Spaß hat jeder an ganz unterschiedlichen Dingen und Situationen. Da es uns in einen angenehmen Zustand versetzt, ist es aber auch eine verlockende Emotion. Nicht umsonst boomt allerorts das Angebot an „Fun“, „Wellness“ und dergleichen. Um ein Gegengewicht an Lebensfreude zum Alltag zu haben, kann es schnell zur Sucht werden, sich seinen Spaß zu gönnen. Ähnlich verhält es sich wenn sich der Spaß auf Kosten anderer ergibt.
Natürlich interessiert uns vor allem die harmlose Freude im Beisammensein und an den kleinen DIngen. Dabei ist es als würde eine innere Last abfallen. Es wird weit und locker im Bauch und wenn wir lachen, auch im Brustkorb. Lassen wir uns richtig durchschütteln beim herzhaften Lachen, macht sich ein euphorisches Gefühl der Leichtigkeit und Unbeschwertheit im ganzen Körper breit. Eigentlich die gleichen Richtungen, die auch die Angst einschlägt, nur eben mit gegenteiligem Effekt.
Emotionen mischen sich auch gerne, wodurch Abstufungen entstehen. Frust mag eine Mischung aus gleichzeitiger Wut und Traurigkeit über ein mißfallenes Vorhaben sein. Vertrauen entsteht durch bestimmte Aspekte unserer Wahrnehmung, z.B. durch Geruch, Klang, Ausdrucksweise, und im erweiterten Sinn durch die Analyse des Verstandes in einer bestimmten Situation. Hier muß die Angst zurücktreten. Sind wir überrascht, stockt der Fluß erst einmal für einen winzigen Moment, um dann zu entscheiden in welche Richtung die Kraft gelenkt wird. So kommt es bei einer Geburtstagsüberraschung meist zur Freude. Läuft es nicht in diese Richtung, kann sich auch Angst, Wut, oder Trauer daraus entwickeln. Enttäuscht, also mit Frust, kann man auf eine Überraschung eigentlich nicht reagieren, denn hier wird ja eine Erwartung nicht erfüllt.
Ekel und Verachtung mag man als Emotionen beschreiben, sie können ihrem Wesen nach auch als konstitutionelle Grundhaltungen gesehen werden. Der Energie nach wären sie eine Mischung aus Angst und Wut.

Lösung für festgefahrene, bzw. wiederkehrende pathologische Muster findet man generell in tieferen Ebenen. Symptomatisch Gefühle auszuklammern, verschlimmert den Zustand langfristig. Es gibt hervorragende Konzepte (wie bspw. die Empfindungsmethodik nach Dr. Rajan Sankaran in der Homöopathie), die als Wegweiser dienen, um sich dem Selbst mit seinen menschlichen Regungen therapeutisch zu nähern.

Eine Liebe

Momente der Glückseligkeit zeigen am deutlichsten, daß Liebe einfach ist. Man sollte sie nicht nur gleich Freude setzen, oder gleich Angst (jemanden zu verlieren). Genauso darf man Hass als fixierte Wut auf jemand oder eine bestimmte Sache annehmen.
Die spirituelle Schule weiß, daß Liebe allumfassend ist und nicht wertet. Emotionen zeigen uns Richtungen, sensible Punkte und führen uns somit zu uns selbst, wenn wir uns nicht dabei in der Welt verrennen. Dharma1 führt uns über Gleichgültigkeit hinaus in den Zustand wahrer Glückseligkeit und der Strom der Liebe darf einfach fließen.

1 spirituelle Praxis / Lebensausrichtung

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